Saharacamp vom BMW GS Club in Marokko Teil 2


 
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Für heute war eine grosse neue Gruppe von BMW Marokko angekündigt. Alle waren schon ganz aufgeregt. Die Leute leben hier und mussten was ihr Fahrkönnen angeht also absolute Profies sein.
 
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Da endlich tauchten sie am Horizont auf und sahen die Flussdurchfahrt beim alten Fort.
 
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Der Erste liess seinen Motor aufheutlen, gab mächtig Gas und schoss den Hügel hinab.
 
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Das Wasser spritzte hoch auf, als er seine Maschine ohne zu Zögern in die Fluten lenkte.
 
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Zielsicher steuerte er seine nagelneue BMW R 1200GS LC (ja, auch BMW gibt es inzwischen mit Wasserkühlung) und setzte sie volle Kanne gegen einen Felsen.
Nach deutschen Massstäben war die Maschine mit ihrem verzogenen Ramen danach sicher ein Totalschaden.
 

 
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Für Marokkaner jedoch kein Problem.
 
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Der lecke Wasserkühler der LC wurde flink durch ein Stück Gartenschlauch überbrückt (so wurde sie wieder zur Luft gekühlten) und die gebrochenen Plastikteile klebten wir mit Aufklebern vom Saharacamp.
 
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Der platte Reifen wurde kurzerhand mit Reifenpilot geflutet. Anschliessend funktionierte das RDC Reifenluftdruck Controllsystem natürlich nicht mehr. Egal son Quatsch braucht eh niemand.
 
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Es wurden fleissig Fotos gemacht, um sämtliche Kanäle der sozialen Netzwerke mit diesen Heldentaten zu fluten.
 
Am nächsten Tag führte ich die gesamte Gruppe zur heissen Quelle bei Fask GPS N28°55'14.5" W009°50'40.1", die seit einer Bohrung der Regierung vor sich hin sprudelt.
 
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So eine riesige Gruppe entwickelt eine erstaunliche Eigendynamik.
 
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Da jeder der Marokkaner wiederum Chefs und Untergebene hatte, denen er gehorchen musste, wurden Anweisungen von mir nur sehr verzögert umgesetzt.
 
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So dauerte es alleine 2 Stunden nach der offiziellen Abfahrzeit, bis jeder seine Motorradklamotten an hatte und wir uns tatächlich in Bewegung setzten.
 
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Als sich spontan Teilnehmer aus der Gruppe lösen wollten um einen anderen Weg zu nehmen, folgte ihnen versehentlich die halbe Gruppe wie Schafe auf dem Weg zum Schlachter.
 
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Die Marokkaner gaben sich alle Mühe, mich mit spektakulären Umfallern teilweise aus dem Stand etc zu unterhalten.
 
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Die meisten von ihnen schienen das erste Mal den Asphalt verlassen zu haben.
 
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Wir hatten viel Spass an der Quelle. Anschliessend ging es lecker Essen und dann mit der riesigen Schlange zur ehemaligen Rallye Dakar Strecke "Plage Blanche".
 
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Die meisten von ihnen schafften nichtmal die Auffahrt und wollte lieber auf meine Rückkehr warten. Mit dem Rest düste ich anschliessend bei Ebbe zum Schiffswrack.
 
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Die erwachsenen Männer freuten sich wie kleine Kinder über diese Tour. Heute sei der beste Tag in ihrem Leben.
 
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So ein Lob geht natürlich runter wie der leckere Honig, den wir immer zum Frühstückserviert bekommen.
 
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Heute bin ich Krank. Es war wohl die letzten Tage doch etwas zu viel Stress. Trotzdem finden meine Touren natürlich wie geplant statt.
 
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Es ist wieder einmal Samstag und damit Zeit für ein Highlight: Den Kamelmarkt, auf dem man auch alles andere wie zB Ziegenköpfe bekommt.
 
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Leider können uns nicht alle Teilnehmer begleiten.
 
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Einer hat einen höchst seltsamen Fehler: Immer wenn er sein Navi einschaltet, meldet sein ABS einen Fehler. Ohne Navi wollte er jedoch nicht fahren und ohne ABS sei es zu gefährlich.
 
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Ein anderer hat einen platten Reifen, bekommt sein Rad jedoch nicht ausgebaut, da normales Werkzeug nicht passt und Torx Werkzeug in der Sahara Wüste natürlich Mangelwahre ist.
 
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Schliesslich bekommt er die Schrauben doch noch raus. Ein Teilnehmer hatte Spezialwerkzeug dabei.
 
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Als Unterlage für sein Motorrad dienen die im Camp allgegenwärtigen Kataloge der Firma Touratech. Ein Glück dass wir die mit hatten.
 
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Dummerweise scheint die Luft des Reifens durch die Speichen der KTM 1190 zu entweicken. Das Felgenband scheint undicht.
 
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Einen für so grosse Maschinen passenden Schlauch in Marokko auf zu treiben gelang uns jedoch leider nicht sofort. In Marokko gibt es eigentlich nur kleine 125er, die im Sand etc. nicht stecken bleiben.
 
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Heute war meine gelbe Rallye Maschine krank. Nachdem viele Teilnehmer und ich mir ihr tolle Touren gemacht hatten, wollte sie am Morgen einfach nicht starten.
 
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Die Teilnehmer standen in voller Montur herum und das Motorrad des Tourguides sprang nicht an. Ich weiss schon, warum ich privat seit Jahren Honda fahre.
 
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Der schuldige war schnell gefunden: Die Zündkerze. Obwohl ich niemand darum gebeten hatte, bekam ich mächtig Haue. Ratschläge sind eben auch Schläge.
 
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Meine Vermutung ging eher in Richtung Benzinpumpe. Das vertraute surren beim Einschalten der Zündung fehlte.
 
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Diese Vermutung wurde schnell bei Seite gefegt. Am Auspuff rieche es (ganz schwach wie bei jedem Motorrad) nach Benzin.
 
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Ich solle die Zündkerze heraus schrauben. Da war man sich einig. Ich weigerte mich und schickte die Gruppe schonmal ohne mich los.
 
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Christoph kannte die Strecke und sprang spontan als Tourguide ein. Dann machte ich mich bei der Rallyemaschine auf die Suche nach den Sicherungen.
 
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Der Mechaniker vom Stromagregat des Camps lieh mir freundlicherweise sein Werkzeug und half beim abschrauben des Tanks.
 
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Mein Verdacht bestätigte sich: Die 20A Sicherung der Benzinpumpe war durchgebrannt. Vermutlich hatte Dreck im Benzin vom Fass tanken die Pumpe kurzzeitig blockiert.
 
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Flink ersetzten wir sie durch die 15A Sicherung der Hupe. Wer braucht die schon bei dem lauten Auspuff? Dann sprang das Rallye Motorrad wie gewohnt an.
 
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Nun hatte ich Zeit, mich um das auf der Internetseite versprochene Fahrtraining einer Teilnehmerin zu kümmern. Sie hatte sich nicht mit auf die offroad Tour getraut.
 
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Gemeinsam übten wir Enduro fahren am alten Fort. Dabei erzählte sie von ihrem "Sicherheitsring" an der linken Hand, der sie in islamischen Ländern wirkungsvoll vor aufdringlichen Männern schützt.
 
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Am Abend war ich etwas erstaunt, warum zwei neue Teilnehmer in unserer lustigen Runde dem Kellner immer meinen Namen zu riefen. To bias!
 
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Der Kellner verstand und brachte two beers ;-) In islamischen Ländern ist Alkohol keine Selbstverständlichkeit. Im Camp gab es ihn jedoch reichlich.
 
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Auch andere Dinge waren im Camp möglich. Auch wenn öffter Witze darüber gemacht wurden war Gerard in der Lage, innerhalb von 5 Tagen selbst neue Reifen für hier absolut exotische riesen Motorräder per Bus aus Casablanka anliefern zu lassen.
 
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Diese kann man dann entweder in Guelmim montieren lassen, oder man erledigt die Montage als Teamwork gemeinsam vor Ort.
 
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Auch zwei Mietmotorräder konnte Gerard kurzfristig für ca. 180 Euro pro Tag aus Agadir anliefern lassen, als unerwartet neue Teilnehmer auftauchten und hier mitten in der Wüste reihenweise Leihmotorräder erwarteten.
 
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Die versprochenen Quads konnten in Sidi Ifni abgeholt und für 30 Euro pro Stunde oder 150 Euro pro Tag gefahren werden.
 
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Was man nicht sehen konnte war also trotzdem auf Wunsch für die Teilnehmer vorhanden. Wie alles in Afrika kostet es eben nur etwas Zeit und Geld.
 
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Einen eigenen Rettungshubschrauber vor Ort mit sich in der Sonne langweilenden Notärzten darf man für 150 Euro Wochenbeitrag allerdings nicht ernsthaft erwarten. In Guelmim gibt es das nächste Krankenhaus.
 
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Für gerade einmal 10 Euro pro Tag mieteten wir am nächsten Tag für Pia ein 80 ccm Mofa.
 
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Mit diesem Fahrzeug war sie, wie auch die Fischer und Schafhirten hier, im Gelände schneller unterwegs als einige Teilnehmer mit ihrer BMW 1200 GS.
 
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Da auch schwierige Etappen wie die Flussdurchfahrt für Pia ein Kinderspiel waren, durfte sie eine Gruppe sogar auf der Wahl Tour begleiten.
 
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Ein schweizer Paar mit gemieteten 1190er KTMs für 180 Euro pro Stück und Tag trauten sich diese Offroadtour nicht zu.
 
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Weniger ist oft einfach mehr. Wie eine Ziege sprang das kleine Mofa von Stein zu stein. Pia fuhr im stehen wie eine professionelle Trialfahrerin.
 
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Als am Ende dieser anspruchsvollen Offroadetappe die Kette des Mofas riss, schleppte ich sie mit einem Spanngurt von Fussraste zu Fussraste ab.
 
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Dabei wickelten wir den Gurt nur um Pias Raste, damit sie ihn mit dem Fuss halten und sich notfalls abkoppeln konnte.
 
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Auf diese Weise konnte das Mofa sogar auf der Asphalt Strecke mit den grossen BMW mit halten.
 
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Damit diese im Gelände zuverlässig fahren ohne dass der Fahrer durch das Eingreifen irgendwelcher elektronischer Assistenten gefährdet wird,
 
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kann man die Antriebsschlupfregelung (die das Fahren im Sand quasi unmöglich macht) und das ABS (dass bergab auf Schotter die Bremsen öffnet)
 
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im Enduro pro Modus durch das Setzen eines speziellen Steckers unter der Sitzbank deaktivieren. Wenn man es weiss.
 
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Hier kam es zum Sturz eines Teilnehmers, der Berg runter plötzlich keine Bremswirkung mehr hatte.
 
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Ansonsten kam es abgesehn von einem meiner Meinung nach BMW typischen Kardantunnelbruch zum Glück zu keinen weiteren Zwischenfällen. Die Wochen vergingen im Flug.
 
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Zwischendurch trafen wir am Legzira beach GPS 29° 26` 19.9" N, 10° 7`19.3" W bei Sidi Ifni unsere Freunde aus Hechlingen mit ihrer geführten Marokko Tour.
 
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Für Leute die gut zu Fuss sind, sind die Höhlen ein wares Fotoparadies.
 
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Den Strand entlang kann man durch einige dieser Höhlen wandern. Für die Abkühlung zwischendurch ist das Meer stets in Reichweite.
 
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Eine kleine Abkühlung gab es auch als Gerard plötzlich seine Abreise bekannt gab.
 
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Er versprach jedoch, mir für die Rückreise, Diesel, Maut, die Fähre, Essen, Übernachtungen und für eventuelle Reifenpannen Geld zu überweisen. Dann muss ich das Auto wenigstens nicht irgendwo am Wegrand stehen lassen, wenn der Tank leer ist ;-)
 
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Nun hielt ich also alleine die Fahnen hoch und richtete mich mit meinen Tourenvorschlägen spontan nach dem Wunsch der letzten Teilnehmer.
 
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Das ist eben der Vorteil einer kleinen Gruppe.
 
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Auch ohne den ganzen Trubel verbrachten wir einige super entspannte Tage, besuchten die heisse Quelle, den Kamelmarkt und den toten Wal.
 
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Ich bin immer noch krank. Als ich mit meinem Husten nachts das halbe Camp wach hielt, lernten wir eine Tierärztin kennen, die mit ihrem Mann in einem riesigen LKW auf Reisen in Marokko war.
 
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An Bord des 6x6 LKWs befand sich auch eine gut ausgestattete Apotheke, aus der ich mit Hustensaft versorgt wurde.
 
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Ich wollte den Leuten eigentlich nicht zur Last fallen aber man bestand darauf. Vielen Dank :-)
 
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Wir trafen die LKW Bewohner erneut am weissen Strand, als ich mal wieder eine Gruppe zum Schiffswrack führen wollte.
 
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Gastfreundschaftlich wurden wir alle zum Kaffee eingeladen, als meine gelbe Maschine, die zunehmend für Probleme sorgte, plötzlich gar nicht mehr anspringen wollte.
 
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Als wir die Maschine dann per Zurrgurt abschleppen wollten und ich probehalber einen Gang einlegte, sprang sie dann doch wieder an.
 
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Vermutlich hatte sie uns auf diese Weise einfach zu einer netten Kaffeerunde am ansonsten menschenleeren Strand verhelfen wollen.
 
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Auf diese Weise hatte sogar eine Panne etwas positives.
 
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Weniger positiv ist die Tatsache, dass nach wie vor alle Dokumente und Vollmachten des Autos und der Motorräder auf Mohamed laufen. Beim Zoll in Agadir ist es uns zwei mal nicht gelungen, die Dokumente umschreiben zu lassen.
 
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Mohamed sollte das Auto ja ursprünglich nach Deutschland fahren. Er ist aber heim geflogen als es zum Streit gekommen war, weil er als Ortskundiger Feuerholz für unser Lagerfeuer organisieren sollte.
 
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Für so etwas sei er nicht hier. Dass sei unter seiner Würde.
 
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Nach Ende des Camps packte ich die Motorräder und allen Krempel in den VW Crafter und machte mich auf den 1100 km langen Weg zur Grenze.
 
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Ich passierte zahlreiche Polizeikontrollen. In jedem kleinen Dorf lauerten die Wegelagerer mit ihren Laserpistolen. Wie in den meisten Ländern geht auch in Marokko die Gefahr nicht von Räubern oder islamistischen Terroristen sondern von "Freund und Helfer" selber aus. Das ausrauben von Reisenden, das zweitälteste Gewerbe der Welt ist weit verbreitet, da es lukrativer ist als die Verbrecherjagt siehe Görlitzer Park. Das sehen auch einige Richter so. Auch Rechtsanwalt Solmecke sagt zu beginn seines Videos, dass wohl jeder schonmal geblitzt wurde, wenn man ganz entspannt durch die Gegend fährt. Es ist jedoch extrem unwahrscheinlich, dass alle Menschen verantwortungslose Raser sind. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Limits zu niedrig festgelegt wurden.
 
Es geht nämlich gar nicht um die Sicherheit. Im Gegenteil: Blitzer führen zu mehr Auffahrunfällen. Das falsche Argument ist nur vorgeschoben. Es geht den Polizisten um die Erfüllung ihrer Fangquoten. Dafür missbrauchen viele Polizisten ihre Macht siehe Stuttgarter Nachrichten. Solange Polizisten vor Gericht lügen und sich gegenseitig mit falschen Diensterklärungen decken, hat man als Opfer kaum eine Chance siehe ARD Report Mainz vom 24.07.2018 Zitat:" Jeder Vorgang lässt sich so verändern, dass das rechtswiedrige Vorgehen von Seiten der Polizei dem Gegenüber angelastet werden kann. Das kann man mit ein paar Änderungen des Sachverhalts erreichen. Das wird dann so hin gebogen, dass es auch vor Gericht Bestand hat. "
Täglich kommt es in Deutschland zu 6 Verfahren gegen Polizisten wegen Amtsmissbrauch. Die meisten werden leider eingestellt. "In Deutschland kommt es jedes Jahr zu 2000 bis 2500 Fällen mutmasslich rechtswiedriger Polizeigewalt. Nur 3% führen zu einer Anklage das bedeutet, die Strafrechtliche Aufarbeitung von Polizeigewalt in Deutschland funktioniert nicht. " Zitat SWR und ARD Report Mainz vom 04.09.2018 "In den Niederlanden und in Belgien gibt es dagegen unabhängige Ermittlungsstellen. Dadurch kommt es zu mehr Anklagen und Verurteilungen vor allem aber geht die rechtswiedrige Polizeigewalt in diesen Ländern zurück. "
ARD Monitor vom 15.11.2018: Gegen die (Falsch)aussage eines Beamten hat man als Bürger vor Gericht keine Chance.
 
Nimmt ein Polizist nicht genügend Geld ein, wird er nicht befördert siehe ZDF Dokumentation vom 23.5.2012 "Verflixte Blitzer! Vom Kleinkrieg auf deutschen Straßen". Es geht trotz anders lautender Sprachregelung wie immer ums Geld Zitat "Ein guter Tag ist, wenn wir 70 Bilder nach Hause bringen oder 80": 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8. Von wegen Freund und Helfer.
 
Oft sind Blitzer laut geblitzt.de, einem Dienstleister der Bussgeldbescheide kostenfrei prüft, falsch eingestellt oder es befinden sich zwei Fahrzeuge auf dem Bild, wodurch die Messung ungültig wird. siehe Galileo.de Die Einahmen sind jedoch fest im Haushalte der Landesregierungen eingeplant.
 
Gibt es nicht genügend "Raser", werden die Limits wie in Frankreich einfach so weit abgesenkt (offiziell wegen Luftreinhaltung etc), bis die Einnahmen wieder sprudeln. Beispiele dafür gibt es genug, wie die breite, lukrative Strasse von Stuttgart zum Flughafen oder die Hauptstrassen in Tübingen und Reutlingen etc. Die Handlanger einer solchen Politik sollten sich schämen. Die Landesumweltanstalt hat vorgerechnet, dass "ein Auto mit 30 km/h im zweiten Gang oft mehr Schadstoffe ausstößt als mit 50 km/h im vierten oder fünften Gang".
 
Das Polizeirecht setzt für das polizeiliche Handeln eigentlich eine konkrete Gefahr voraus. Eine abstrakte Gefahrenlage "es könnte ja etwas passieren" reicht für eine Verurteilung eigentlich nicht aus. Finanzielle Interessen des Staates erst recht nicht.
Genau aus diesem Grund muessen Blitzer in England gut sichtbar orange angestrichen und in Norwegen und Schweden durch Schilder im vorraus angekuendigt werden etc.
 
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Auf einmal wurde ich trotz korrekter Geschwindigkeit heraus gewunken. Der Polizist sagte irgendwas von "Fraktion" "Fraktion" und wies auf mein defektes Tagfahrlicht in einem Land, in dem es mehr Eselskutschen ohne Licht als Autos gibt.
 
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Ich erklärte ihm dass es in Guelmim keine Ersatzbirnen gab und ich es in Agadir reparieren lassen würde.
 
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Der Polizist wollte 30 Euro. Ich erklärte, ich habe mein letztes Geld getankt. Ich müsse nur zu meinen Freunden nach Agadir fahren.
 
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Notgedrungen liess er mich fahren.
 
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Irgendwo im Antiatlas schug ich mein Zelt auf und übernachtete abseits der Strasse.
 
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Von schlafen konnte jedoch leider nicht die Rede sein. Erst krähten irgendwo in der Nähe die Megaphone einer Moschee, dann wurde über die gleichen Lautsprecher Musik abgespielt.
 
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Als auch diese endlich vorbei war fingen Hunde an zu bellen und hörten die ganze Nacht hindurch nicht damit auf.
 
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Völlig gerädert machte ich mich am nächsten Morgen wieder auf den Weg. 800 km lagen noch vor mir.
 
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Erneut wurde ich an einer der zahlreichen Polizeikontrollen heraus gewunken.
 
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Der Polizist wedelte mit dem berühmten Buch, auf dessen Titel 700 Dirham also 70 Euro Strafe steht.
 
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An irgend einer Stelle sei ich 100 km/h statt 80 km/h gefahren. Nun wollte er natürlich Geld. Um Sicherheit ging es nicht. Es war allen klar, dass ich nicht unsicher gefahren bin und hier selbst 160 km/h möglich seien.
 
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Wieder erklärte ich, dass ich nicht einmal Geld für Essen oder ein Hotel habe und mein Ziel die nächste Stadt sei. Er zog mich beiseite und sagte "ok give me 200 Dirham". Natürlich ohne Rechnung.
 
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Müde wie ich war fragte ich ihn, ob ich in seinem Polizeiauto übernachten dürfe wenn er mich schon nicht weiterfahren lassen wolle. Selbst für Korruption habe ich kein Geld.
 
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Erschrocken wies der Beamte ab. Er solle freundlich zu jemand anders sein? Das könne er nicht mit seinem Status vereinbaren. Ich bekam meine Papiere zurück und durfte weiter fahren.
 
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Unterwegs sammelte ich eine Tramperin ein, die auf dem Rückweg nach Holland war. 50 problemlose Kontrollen später wurden wir kurz hinter Casablanca erneut raus gezogen. Irgendwo sei ich 26 km/h statt der erlaubten 20 km/h gefahren. Nun wollte der Polizist 30 Euro von mir. Für ein zehntel des Preises hatten wir zuvor mehr gegrillte Sardinen gekauft, als wir gemeinsam essen konnten.
 
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Ich erklärte dem Polizist, dass ich mein letztes Geld gerade für Sardinen ausgegeben habe. Obwohl ich grossen Hunger habe, dürfe er die jetzt haben. Ich drückte die fettige Tüte mit den Sardinen gegen seine saubere Uniform. Wortlos gab mir der Beamte meine Papiere zurück und winkte den Nächsten heraus. Ich liebe Afrika!!!
 
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Einige hundert Kilometer weiter. Ich unterhielt mich mit meiner Tramperin, genoss die karge, weite Landschaft und dachte an nichts böses, als ich mitten in der Pampa plötzlich einen Polizisten mit seiner Laserpistole liegen sah. Ein schneller Blick aufs GPS und ich erkannte, dass ich statt erlaubten 120km/h mit kriminellen 124 km/h unterwegs war. Inzwischen hatte ich die Schnauze dermassen voll. Überall diese Blutsauger. Statt auf den Verkehr und die Strasse muss man sich auf völlig irrationale und ständig wechselnde Geschwindigkeitsvorschriften konzentrieren. Bei der nächsten Kontrolle einige Kilometer weiter fuhr ich extrem dicht auf meinen Vordermann auf, damit mir kein geldgeiler Polizist vors Auto springen konnte. Als ich erwartungsgemäss von der Seite stehend raus gewunken wurde, winkte ich freundlich zurück und fuhr weiter.
 
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Noch am Abend erreichten wir die Grenze. Die Leute mit gelben Westen, die einen vor dem Hafen heraus und zu ihrem Shop winken wollten ignorierten wir wie Profies und erwarben das Fährticket erst direkt am Hafen. Dann ging es zur Passkontrolle und durch den Zoll. Ich gab dem Mann die beiden arabischen Zettel, die Mohamed bei der Einreise erhalten hatte. Ob er einen Blick ins Auto werfen dürfe? Klar. 3 defekte Motorräder? Yes. Ich bekam den Stempel und durfte weiter fahren. Wie? Das wars schon? Niemand wollte meine gefälschten Vollmachten etc sehen? Nein noch nicht ganz. Einige Meter weiter wurden alle Autos von einem grossen LKW geröngt. Kein Problem. Mein Auto war ok nur die Papiere nicht ;-)
5 Minuten später rollten wir an Bord der Fähre und waren 2 Stunden später in Spanien. Hier genoss ich die Rückreise durch die wunderschöne Landschaft Spaniens und Frankreichs abseits der mautpflichtigen Strassen und übernachtete kostenlos im Zelt. So macht reisen Spass.
Nach 12.000 km in zwei Monaten mit dem Auto und einigen tausend mit diversen Motorrädern lieferte ich meine Ladung pünktlich in München ab. Eine Woche später erreichte mich ein Brief aus der Schweiz. Die ########### dort wollten 40 Euro von mir, da ich angeblich beim eiern mit 50 km/h 300 km über Land irgendwo mal lächerliche 5 km/h zu schnell gefahren bin. Dabei habe ich wirklich versucht, mich an alle noch so sinnlosen Vorschriften zu halten. Auf diese fiese Art wurde mir das komplette Trinkgeld, dass ich wärend meiner Arbeit als Tourguide erhalten habe, von der Polizei geklaut. Wenigstens hatte ich die genau so teure Autobahnvignette gespart.
 
Fazit: Es war trotz vielen Problemen mit der Polizei eine sau coole Veranstaltung!!! Auch wenn die meisten Leute die man unterwegs trifft solche Reisen mit günstigeren und zuverlässigeren Japanern machen war es erstaunlich zu sehen, was selbst mit dicken GS in Werkszustand möglich ist, wenn man sich nur traut. Letztendlich kommt es wie immer auf das Können des Fahrers an und nicht auf das Motorrad oder die Reifen. Hier konnten einige Teilnehmer nach nur einer Woche im Saharacamp sichtbare Erfolge vorweisen. Hut ab. Ich würde mich freun, wenn wir uns alle im nächsten Jahr wieder sehen :-)
P.S. Einige Wochenspäter meldete sich Touratech. Die Mechaniker hatten den Grund für das schlechte Startverhalten der gelben BMW gefunden: Fehlende Kompression durch defekte Ventile nach gerade einmal 6 Wochen. Totalschaden. BMW halt. Weiter gehts auf der nächsten Seite.
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